
Kardinalrot. Rosen, die auf Duft gezüchtet sind, lassen ihre Köpfe schon nach wenigen Tagen hängen. Länger halten die, die sich aufs Äußere spezialisiert haben, wie diese hier, deren prachtvoller, intensiver Kardinalrot-Ton alle anderen Blüher im Garten überstrahlt. Mit überheblicher Selbstsicherheit scheint sie dem morgendlichen Betrachter zu signalisieren: Ich bin hier die Königin.
Nicht umsonst haben sich katholische Würdenträger diesen und ähnliche Farbtöne wie Purpur für ihre Gewänder zu eigen gemacht, um das Fußvolk zu beeindrucken.
Beim Anblick der Bischofs- und Kardinalskutten und dem ganzen Brimbamborium drumherum ist selbst schlichten Betrachtern auf den ersten Blick klar, warum die katholische Kirche von einem derartigen Schwulenhass beseelt war und ist. Wer freiwillig in der Öffentlichkeit in solchen Klamotten rumläuft wie der ex-Papst Benedikt der Viertel-vor-Zwölfte verdrängt offensichtlich so viel an latenter Homosexualität, dass das an anderer Stelle mördermässig rauskommen muss. Da kriegt das Lied „Ihr Kinderlein kommet…“ eine grauenhafte Konnotation.
Mich würde interessieren, warum der Mann wirklich zurückgetreten ist. Vor fast 10 Jahren wurde der Eindruck erweckt, er sei todkrank und könne nicht mehr. Von wegen, der Zombie fuhrwerkt immer noch oft und gerne erzreaktionär seinem Nachfolger ins Handwerk. Erinnert mich irgendwie an Wolfgang Bosbach, der gefühlt seit Jahrzehnten auf dem Ticket „todkrank“ putzmunter durch alle Talkshows dieser Republik tingelt und mittlerweile Nazis wie Maaßen Wahlkampfhilfe leistet.
Vielleicht sind die Beiden in Wahrheit schon lange tot, kamen verdientermaaßen in die Hölle, wurden dort von Satan zombifiziert und als wandelndes Unheil über uns geschickt. Bosbachs Jacketts erhärten diesen Verdacht. Kein Sterblicher würde je so rumlaufen.
Bei Benedikt würde ich gerne wissen, welche Fotos von dem in irgendwelchen Tresoren schlummern und ihn zum Rücktritt „bewogen“ haben. Sein Bruder hatte sich durch jahrzehntelange Kindesmisshandlungen „ausgezeichnet“ und da liegt der Apfel, der nicht weit vom Stamm der Sünde fällt, wohl in der Familie. Ich sei eine Dreckschleuder, sagen Sie jetzt?
Ja. Danke. Gerne. Das ist doch das Mindeste, was ich tun kann.
Die gemeinste und niederträchtigste aller so geratenen Gangs ist aber die orthodoxe Kirche, die für alle LGBTI-Minderheiten in ihrem Herrschaftsbereich regelrecht lebensgefährlich ist. Kein Wunder, bei derartigen Ansichten ihrer höchsten „Würden“träger: „Schwule stinken und nehmen bei einer Hinwendung zum Christentum wieder einen „wundervollen“ Geruch an.“
Oder auch: „Analverkehr der Eltern führt zu schwulen Kindern“ . Wie das befruchtungsmäßig funktionieren soll, ist mir nicht ganz klar. Aber, liebe Eltern, ab heute kommt das Olivenöl wieder da hin, wo es hingehört, nämlich in die Küche, sonst ….
Dass solche Leute im 21. Jahrhundert frei rumlaufen und nach wie vor andere Geisteskranke in Millionenzahl finden, die ihnen hinterherrennen, ist einer der großen Skandale der zeitgenössischen Anti-Aufklärung.
Oh Gott, wo bin ich im heutigen Blog bloß gelandet? Ich wollte doch bloß das Foto der Rose in der Cloud speichern ….
Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell
02.08.2021 – Gute Aussichten

Traumhafter Blick. Der Aufstieg war bei 37 Grad im Schatten eher beschwerlich, wobei es auf der weit über 30 Grad steilen Schlussrampe leider ausnahmsweise keinen gab. Auf Corfu stehen ca. 10 Millionen Ölbäume, die das Wandern durch ihren Schatten leichter machen, aber wenn man sie mal wirklich braucht, ist keiner da. Natürlich ist es geisteskrank, im Sommer am Mittelmeer Urlaub zu machen, hab ich auch noch nie gemacht. Aber wer weiß denn, was im September ist, die Seuchen-Aussichten sind eher trübe.
Wobei aus meiner Sicht Licht am Tunnel ist. Ein Forscherteam vom Göttinger Max-Planck-Institut hat Mini-Antikörper entwickelt, die das Corona-Virus und dessen gefährliche neue Varianten effizient ausschalten sollen. Das wäre ein Heilmittel gegen das Virus und neben der Impfung der Quantensprung, um die Seuche in den Griff zu bekommen. Normalerweise dauert es Jahre, bis sowas zur Marktreife kommt, aber ich wette auch hier darauf, dass wir binnen Jahresfrist ein Produkt auf dem Markt haben. Würde mich nicht wundern, wenn z. B. Biontech bald eine ad-hoc Meldung rausgibt, dass sie in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut bereits in den spätklinischen Phasen der Arzneimittel-Zulassung sind. Bei kursrelevanten Veränderungen müssen Börsennotierte Unternehmen eine sogenannte ad-hoc Meldung veröffentlichen. Danach dürfte der Biontech Kurs durch die sprichwörtliche Decke gehen.
Gute Aussichten, wobei Biontech ohnehin zu meinen Börsenlieblingen gehört. Am Wochenende wurde öffentlich, dass sie 500 neue Mitarbeiter*innen suchen und schwupps, eröffnete die Aktie heute 5 Prozent höher. Das ist der Stoff, aus dem die feuchten Börsianer-Träume gemacht werden: Phantasie. Die Zukunft! Was kommt als nächstes?
So sehr ich den Kapitalismus verabscheue als Ursache globalen Elends und Auslöser menschheitsbedrohender Katastrophen, so sehr bewundere ich, und das tat auch schon Marx, dessen Dynamik, Kreativität, Erfindungsreichtum. Da demnächst die ersten Weihnachtsartikel in die Kaufhäuser kommen, mein Geschenktipp für Sie, liebe Leserinnen: Kaufen Sie Ihrem Liebsten eine Biontech-Aktie, mit der Auflage, die 10 Jahre liegen zu lassen. Apple, Google, Facebook, das ist alles old school. Gucken Sie sich deren aktuelle Kursentwicklung an, lahm, trotz unfassbarer Milliardengewinne. Digitale Revolution ist Schnee von gestern, die wesentlichen Entwicklungen sind gemacht und absehbar.
Die Schwachstelle sind die Träger der digitalen Revolution, die Subjekte. Also wir, Du und ich: Begrenzt belastbar, niedriges Verfallsdatum, extrem verletzlich, jede kleine Seuche haut uns um und bringt den Weltmotor, das Geschäft, ins Stottern. Also muss die nächste Revolution auf die aufregendste Reise schlechthin gehen, nicht zum Mars, das ist lächerliche old-school. Sondern in unsere Körper, um sie zu perfekten Trägern genetischer Revolutionen zu machen. Eingriffe in die Keimbahn, Züchtung von Schimären, die wir als Ersatzteillager für unsere maroden Körper züchten, damit zumindest unsere Eliten 150 Jahre alt werden. Gute Aussichten. Wenn man zur Elite gehört.
Und da spielt die Musik. Doch nicht bei diesen bits and bytes-Kaspertruppen von Google etc. Sondern bei Biontech, Moderna etc.
Meine Wette auf die Zukunft: Biontech ist das Apple von Morgen. Was das heißt?
Die Biontech Aktie hat seit Börsennotierung 2019 ein Plus von 2.027,7 Prozent erzielt, not too bad im Vergleich zu Festgeld-Rendite.
Die Apple Aktie seit Börsennotierung Mitte der 90er ein Plus von 73.027,7 Prozent.
Jetzt warten wir also mal die nächsten 10 – 20 Jahre ab. Und dann werde ich Ihnen ganz überzeugend erklären, warum alles aber auch sowas von völlig anders gekommen ist.
Was bleibt, ist eine eher trübe Aussicht: Ein System, dass offensichtlich derart dynamisch und überlebensfähig ist wie der Kapitalismus, wird so ziemlich alles überleben. Selbst seine Träger.
Dich und mich.
01.08.2021 – Über Traumata. Oder: Warum Eva an allem schuld ist

Duftrose. In Nasenhöhe auf meiner Veranda.
Uns prägen noch archaische Vorstellungen vom Paradies, aus Bildern von Hieronymus Bosch oder der Bruegel Family, wo der Wein aus Brunnen fließt und einem gebratene Krammetsvögel ins Maul fliegen. Die damaligen Zeiten von Hunger und Mangel sind vorbei. Wein aus Brunnen ist heute eine Gaudi für Zecher, beispielsweise beim Rheingauer Weinfest auf dem Rüdesheimer Platz in Berlin (was trotzdem eine ganz zauberhafte Veranstaltung ist). Und die Vorstellung von gebratenen Krammetsvögel im Maul dürfte für heutige eingefleischte Veganerinnen eher was mit Dantes Inferno denn mit dem Paradies zu tun haben.
Für dem Mangel entwachsene Mitteleuropäer*innen dürfte die Vorstellung vom Paradies aus einer Mischung von einsamem Strand, Ruhe, gepflegten Cocktails und erlesenen Gerüchen bestehen, eventuell noch in Gesellschaft von jemandem, der oder die einem nicht nach 24 Stunden schon auf die Nerven geht.
Insofern kommt meine Veranda dem Paradies ein Stück nahe, weil mich zur Zeit jeden Morgen dort eine köstlich-intensive Rosen-Duftcomposition aus frischem Zitrus und feinen Teearomen umweht, ohne dass ich mich zu bücken brauche.
Was ja auch zum Paradiesbild gehört: Das Anstrengungsfreie, die Abwesenheit von Arbeit. Das wiederum ist das Menschheitstrauma der Paradiesvertreibung schlechthin: Arbeit als Strafkonsequenz für den Sündenfall, bei dem Eva die Sexualität an den Mann brachte. Sie wissen schon, die Geschichte mit dem Apfel. Und danach mussten wir im Schweiße unseres Angesichts unser Brot essen, meint: Ackern.
Heute fließt der Schweiß überwiegend in paradiesischen Urlausregionen, aber nach wie vor nehmen Legionen weißer, alter Männer Eva die Sache mit dem Apfel übel (weisse, alte Männer müssen nicht zwingend weiss, alt und männlich sein. Damit ist eine ideologische Ausrichtung und keine biologistische Zuschreibung gemeint). Zumal das Weib ein inferiores Wesen ist, weil aus der Rippe des Mannes geschnitten. Woraus man heute eher edles Grillgut schneidet. Vom Schwein. Nicht vom Mann. Aber der hat diesbezügl. offensichtlich immer noch Kastrationsängste und hält sich alles Weibliche eher vom Leib, von der Rippe.
Das ging mir durch den Kopf, als mir unlängst eine AfD-Handreichung zur Wahl unter die Augen kam. Falls Sie es noch nicht gemerkt haben: es ist Wahlkrampf. Die Handreichung adressierte ihre Leser*innen wie folgt: „Liebe Parteifreunde aus allen Geschlechtern (mit Zwinkersmiley, damit alle den Witz kapieren)“. Im Text dann neben allerlei Nazigedöns auch das übliche Gegreine über linksgrünversifftes Gendern und anderen Weiberkram. Der Inhalt tut nichts zur Sache. Es geht um Humor. Witz. Eleganz. Esprit. Können Rechte Humor haben?
Sicher, siehe Dieter Nuhr. Die Frage ist nuhr (Hahahaha, Witz komm raus, Du bist umzingelt!), wie sieht der aus: Launig, schenkelklopfend, uralt, Holzhammer, geist- und witzlos. Da kommt man sich vor wie der notorische Comic-Verdurstende, der durch die Wüste kriecht und verzweifelt nach einem Wasserloch voller Witze sucht. Da kann er lange suchen. Hier gibt’s nuhr Wüste.
31.07.2021 – Zenit überschritten

Wenn im Garten die Kürbisse reifen und auf den Feldern die Weizenernte eingebracht ist, hat das Jahr seinen Zenit überschritten.
Ich glotz Olympia. Die gleichförmigen Bildwelten erinnern mich an Busreisen von der Algarve nach Lissabon durch das Alentejo. Die gleichförmigen, flachen Landschaften mit Korkeichen, Orangenbäumen und dazwischen gewürfelten Rinderherden hatten beim stundenlangen Draufgucken etwas ungemein Beruhigendes, ja Sedierendes. Alle Unruhe wurde mählich ausgeschaltet, irgendwann auch der Strom der irrlichternden Gedanken und am Ende transzendierte ich in eine andere Bewusstseinsebene, irgendwo anders hin, nur nicht ins Hier und Jetzt, einer Zen-meditation gleich.
Sowas sollte es auf Krankenschein geben, man sollte nur drauf achten, dass die Gedanken irgendwann wieder eingeschaltet werden und die Herzfrequenz nicht dauerhaft auf Null sinkt. Aber Olympia erzählt auch schöne Geschichten, was ja die Essenz des Lebens ist. Ein gelebtes Leben ist die Summe unserer Geschichten. Die Ostgoten hatten wieder einen Ejaculatio praecox und flogen im Fußball raus, bevor es richtig los ging, unter erbärmlichen Umständen. Sie kriegten keine 11 Kicker zusammen, die eine Lederkugel geradeaus treten konnten, weil die Profis und Vereine zu Recht auf den komplett jeder Realität entkernten olympischen Gedanken des „Dabei sein ist alles“ und der „Grenzen überschreitenden Völkerverständigung“ schissen und lieber Zuhause blieben. Von den Schwimmer*innen ist Positives zu vermelden: Bisher ist noch niemand ertrunken.
Wie überhaupt die Mehrzahl der Athlet*innen den Eindruck einer nahezu kollektiven Leistungsverweigerung macht und das zu praktizieren scheint, was aktuell Personaler aller Branchen bei Neueinstellungen so hassen wie die Pest: Dass die Kandidat*innen samt und sonders den Eindruck machen, ihr Mantra und oberste Maxime sei „Work-Life-Balance“. Ich bin der Letzte, der was gegen Leistungsverweigerung hat. Wenn jemand das Mini-Max Prinzip zur Vollendung gebracht hat, dann ich, nämlich mit einem Minimum an Leistung ein Maximum an Effekt zu erzielen, jedenfalls in Jobs des profitorientierten Kapitalsektors.
Ich bin allerdings schon der Meinung, dass man seinen Geldgebern zumindest ein Minimum an Äquivalenz zu Gute kommen lassen sollte, und da habe ich bei „unseren“ Athlet*innen so meine Zweifel. Allein im Bundeshaushalt sind für den Spitzensport 300 Millionen Euro eingestellt, dazu kommen geldwerte Leistungen auf kommunaler und Landesebene sowie die Tatsache, dass eine beträchtliche Anzahl der Spitzensportler*innen beim Staat angestellt ist, Bundeswehr etc, und dort Fulltime-Sport praktiziert.
Stand heute wäre rein rechnerisch jede Medaille mit 18 Millionen Euro allein aus dem Bundeshaushalt gefördert. Mögen es am Ende unter 10 Millionen sein, stellt sich doch die Frage: Wie viele Kindertagesstätten könnte man und frau dafür bauen? Und hat unsere Gesellschaft ihren Zenit überschritten? Abgesehen davon, dass der ganze Firlefanz nur der eitlen Selbstbespiegelung nationalen Größenwahns dient. Wobei hier im Falle BRD von Größe dankenswerterweise nicht die Rede sein kann.
Und Morgen, liebe Kinder, erzähle ich Euch die Olympia-Geschichte von einem Untoten, der als Clown-August aus der Kiste springt.
Es wird ganz gruselig.
22.07.2021 – Dach- und andere Organschäden

Nach der Zivilisation.
Etwa jeder zehnte Coronainfizierte leidet noch Monate später unter Beschwerden. Jede*r fünfte von denen hat laut einem Forschungsprojekt der Universitätsklinik Ulm Organschäden. Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland Stand heute 3.748.613 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Von denen haben also ca. 370.000 Long-Covid-Symptome. Organschäden haben, wenn man die Ergebnisse der Uniklinik Ulm hochrechnet, ca. 75.000 Menschen.
Das sind natürlich nur Tendenzen, das alles muss noch evaluiert und in trockene Wissenschaftstücher gebracht werden. Aber um sich eine Vorstellung von dem zu machen, was epidemiologisch und gesellschaftlich auf uns zukommen kann – nicht muss -, sind Risiko-Abschätzungen nicht nur legitim, sondern geboten. Die Seuche wird nach Expertinnen-Meinung uns noch Jahre begleiten, die Frage ist also nicht, ob sich Nichtgeimpfte anstecken, sondern wann. Alle, die sich nicht impfen lassen, werden früher oder später angesteckt. Gehen wir davon aus, dass das 10 – 20 Prozent der hiesigen Staatsinsassen sind, sind das bis zu ca. 16 Millionen Infizierte im Laufe der Jahre. Von denen würden laut Modell 1,6 Millionen Long-COVID-Symptome haben, wie auch immer die enden werden.
Davon wiederum mit Organschäden: über 300.000.
Die Infizierten können sich, analog Grippe, im Laufe der Zeit mehrfach anstecken, wenn sie Impfrenitent bleiben, denn wir vermutlich werden nach Delta noch mit Sigma-, Tau- und Omega-Varianten konfrontiert werden. Wie sich Mehrfach-Infektionen auf die Resilienz auswirken, bleibt abzuwarten.
Ich als Laie stelle mir das wie beim Alkohol vor: Steter Tropfen höhlt die Leber, und irgendwann geben dann Schnitt für Schnitt alle Organe den Geist auf. Ein elendes Siechtum, was ich im eigenen Umfeld nicht nur einmal hautnah miterlebt habe.
Die Frage ist: Wie viele Tote und Kranke akzeptieren wir im Rahmen von Seuchen als ethisch vertretbar, bevor wir anfangen, die individuelle Freiheit einzuschränken, also z. B. Impfpflicht einführen.
Die Messlatte steht hoch, siehe Auto-Seuche. Seit Erfindung der BRD dürften hierzulande geschätzt durch Auto-Luftverschmutzung (ca. 10.000 p. a.) und Verkehrs-Unfälle über eine Millionen Tote ins Grass gebissen haben.
Wir reden also über das Recht der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Wovor vor uns übrigens Stand gesellschaftlicher Entwicklung 2021 alle guten Geister der Aufklärung schützen mögen.
Ich möchte nicht nur nicht, dass sich bei den Millionen Quartalsirren und Bekloppten, die da draußen frei rumlaufen, deren Persönlichkeit frei entfaltet. Ich möchte vielmehr, dass deren Persönlichkeit nach besten Kräften unterdrückt und umerzogen wird.
20.07.2021 – Ich hab den Längsten.

Prachtexemplar der Sonnenblume „Goldener Neger“, das bereits jetzt über 2 Meter hoch ist und am Ende sicherlich zu den Längsten gehören wird.
Citius, altius, fortius, dieses olympische Motto des „schneller, höher, stärker“ (und: Wer hat den Längsten?) beschreibt präzise die hinreichende Bedingung für die Katastrophen, die immer schneller, höher, stärker von allen Enden unserer Zivilisation über uns hereinbrechen: Seuchen, Fluten, Dürren, Hitze, Hunger, Armut etc. pp… Schlagen Sie Ihre Tageszeitung auf, dann sind Sie auf dem Laufenden.
Mein Katastrophen-Favorit für unsere Breitengrade waren drei Hitze- und Dürresommer hintereinander, in Verbindung mit Finanzkrise und Massenarbeitslosigkeit sowie einer Folge von neuartigen Viren, die in kurzer Zeit unsere Nutztiere in der Massentierhaltung dramatisch reduzieren. Mir persönlich egal, ich ess kein Fleisch, ich grill im Sommer nur Würstchen.
Aber können Sie, liebe Leserinnen, sich doitsche weiße, alte Männer als Vegetarier vorstellen und wo soll in so kurzer Zeit dann das ganze Grünzeug herkommen, da brauchen wir Grönland als Anbaufläche. Nun sind es also biblische Fluten in einem Ausmaß geworden, dass selbst ich in meinem Keller schon die besseren Jahrgänge nach oben gestapelt habe.
Ein Tornado deckt das Haus ab und während eines drei Tage ortsfesten Regentiefs steigt das Grundwasser über die Keller, da kommen selbst Leute ins kurze Grass, die jetzt selbstgerecht vor den TV-Flutbildern sitzen: „Das kann mir nicht passieren.“ Wenn mir nur ein Bruchteil dessen widerfahren würde, was die Bilder aus den hiesigen Katastrophengebieten zeigen, wäre ich reif für die Klappsmühle. Bei aller Abneigung gegen „unsere“ Volksgenossen: Die Leute tun mir einfach leid.
Die Anlässe für menschengemachte Katastrophen wie Klima sind vielfältig, die Ursache ist immer eine: Komparatives Denken und Handeln. Das Denken und Handeln im Vergleich, im Wettbewerb, in Konkurrenz. Bin ich auch schneller, stärker als der Andere? Was früher ein evolutionärer Vorteil im individuellen Überleben war, ist heute der Schwanengesang für unsere Welt. Ohne Wettbewerb und Konkurrenz kein Profit und ich sehe für die dahinter ablaufenden Prozesse keine Umkehr, was überlebensnotwendig wäre. Noch immer sind Wachstumszahlen das Mantra unserer Gesellschaft, allen Sonntagspredigten zum Trotz. Erzählen Sie als Vorstandsvorsitzender auf einer Aktionärsversammlung mal, dass Sie im nächsten Geschäftsjahr freiwillig Umsatz, Gewinn und Dividende reduzieren, damit der Planet eine bessere Überlebenschance hat. Das Ende der Versammlung erleben Sie in einer weißen Jacke, die Ärmel nach hinten, von zwei kräftigen Pflegern in eine Klappsmühle begleitet, wo Sie nie wieder rauskommen.
Und so sitzen wir auf einer Lawine, ruckeln derzeit noch mit relativ commoder Geschwindigkeit talwärts und merken nicht, wie die sich peu à peu steigert, immer schneller, siehe Olympia. Und irgendwann sind wir an einem Punkt, wo nichts und niemand die Lawine mehr aufhalten kann. Abspringen?
Viel Spaß dabei, liebe Leserinnen.
16.07.2021 – Schmetterlingsflieder.

Wenn der erblüht ist, stelle ich mich ein paar Minuten davor und zähle die Schmetterlinge, die ihn früher in Wolken, zu Dutzenden umflatterten. Eine Handvoll sind es heuer noch, drei, vier Kohlweißlinge und Zitronenfalter und ein, zwei Pfauenaugen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Kinder noch nie einen Schmetterling gesehen haben.
Artensterben. Nicht davon betroffen sind u. a. Tauben, Ratten, Kakerlaken und Homo sapiens.
Wobei das mit dem sapiens ein Witz ist. Hier in Hannover werden z. Zt. für ein paar Tage zwei, drei Straßen in der City gesperrt, um die Chancen von weniger Autoverkehr auszuloten. Wenn man Leserinnenbriefen des hiesigen Zentralorgans der Cerebralamputierten. der HAZ, Glauben schenken will, ist das nur noch vergleichbar mit Attilas Hunneneinfall in Europa. Der Untergang des Abendlandes: ante portas. (Der gemeine HAZ-Leser besitzt oft das Abitur und zeigt das auch gerne). Da wird dann schon mal von Ökoterrorismus und Diktatur deliriert, weil hier das vorgebliche Menschenrecht darauf verletzt wird, mit dem Auto zum Kauf von 100 Gramm Aufschnitt direkt vor der hiesigen Markthalle parken zu dürfen. Das ist alles so unfassbar Realitätsverdrängend und Dummheitsgetränkt, dass ich mich weigere zu glauben, die Schreiberlinge gehörten der gleichen Spezies an wie ich.
Für mich reduziert sich derzeit rapide das Verfallsdatum des Goldenen Zeitalters des Kapitalismus, in dessen Endphase wir uns befinden. Dieses Zeitalter hat einigen von uns, vor allem auf der Nordhalbkugel, in West- und Mitteleuropa, Wohlstand, Konsum, Reisen, Gutes Leben, Wachstum für nahezu ein halbes Jahrhundert beschert hat. Unser Motto, und gerade auch mein persönlich-zynisches, war: Nach uns die Sintflut. Und nun sind wir mitten drin und das Wasser steigt uns bis zum Hals.
Mir nicht, ich wohne am Fuß der Lindener Berge, 89 Meter über Normal-Null, was übrigens der Codename für Armin FLaschet ist. Mein Keller bleibt trocken, aber Kumpels von mir, die hangabwärts wohnen, sollten schon mal ihre Kisten im Keller hochstapeln, was übrigens der Codename für Markus Söder ist. Beim nächsten ortsfesten Regentief in unserer Region namens Klaus-Dieter, was übrigens mein Codename ist, mit Ausmaßen des aktuellen wird das hiesige Flüsschen über die Ufer treten und alte Pegelstände locker kippen.
Nach der Flut- bahnt sich die nächste menschengemachte Katastrophe an: Der Wahlkampf. Göttin steh uns bei.
Damit das hier nicht so düster endet, nun die Auflösung der schwanzrotgoldenen Farben im Bild oben, hinter dem Schmetterlingsflieder.

Es handelt sich um meine Garten-Installation „Deutschland minus 50 Prozent“. Das waren die Paraphenalia des teuren Vaterlandes nach dem Ausscheiden der Ostgoten bei der Fußball-EM noch wert: Minus 50 Prozent. Das hat, wie ich finde, in all dem Unrat derzeit was Tröstliches.
13.07.2021 – Minenhund

Bild für trübe Novembertage und kalte Januare
Es gibt im öffentlichen politischen Raum die Figur des sogenannten Minenhundes. Das ist jemand, der in das Minenfeld der medialen Öffentlichkeit vorprescht oder vorgeschickt wird mit einer pointierteren Forderung oder Position, um am Echo darauf deren Durchsetzbarkeit zu testen. Ist das Echo negativ, wird es seitens seiner Kumpels heißen: Das war eine Einzelmeinung, die sich nicht mit der (Partei-)Linie deckt. Dann war der „Minenhund“ auf eine getreten und in die Luft geflogen, was seiner Karriere aber keineswegs schadete, im Gegenteil, denn alle waren ja am Spiel beteiligt.
War es erfolgversprechend, kommen die Entscheidungsträger aus der Deckung und machen Druck im Kessel. Beispiel aus der Vergangenheit, an dem ich dann immer (Öffentlichkeits- und Überzeugungs-)Arbeit hatte: Die quartalsmäßigen Forderungen nach mehr Zwangsarbeit für Hartz-IV-Bezieher*innen oder die nach Absenkung der Hartz-IV-Regelsätze. Solche Positionen sind im Moment nicht en vogue, kommen aber wieder so sicher wie das Amen in der Kirche, wenn es darum geht, wer die Krisenkosten bezahlen soll. Die Leute mit Kohle werden es sicher nicht sein.
Aktuelles Beispiel ist die Impfpflicht. Gestern hatte ein Mitglied des Ethikrats die Impfpflicht gefordert für Lehrkräfte und Kitapersonal. Und schwupps, schon brodelt es auf allen Kanälen, in der hiesigen Schnarchsack-Postille HAZ fordert ein Virologe in einem Interview über Impfungen für Kinder in einem Nebensatz Impfpflicht für alle Kinder, von wo aus es nur ein Schritt ist zur Pflicht für alle.
Ich hatte das an dieser Stelle u. a. im Januar gefordert: Impfpflicht für alle sowie Flächendeckende FFP 2 Pflicht, drakonische Strafen bei Verstößen gegen Versammlungsverbot und gegen Hygiene Maßnahmen, Homeoffice Pflicht, Total Lockdown für drei Wochen.
Ich erneure hier mein Angebot, bei der Durchsetzung der Impfpflicht im Ehrenamt mir bekannte Personen aufzusuchen, die Impfverweigerer sind und auch sonst ne Meise haben und sie durch Einsatz des staatlichen Gewaltmonopols zu überzeugen, ihren Staatsbürgerinnenpflichten nachzukommen. Ich hätte gerne eine schmucke Uniform, einen Elektroschocker, einen Taser, Pfefferspray und Gummiknüppel. Ehrenamt soll ja auch Spaß machen.
Zu hart? Warten wir mal die trüben Novembertage und kalte Januare ab …
12.07.2021 – Braungesprenkelte Flatterbänder

Die Krönung der sprichwörtlich einsamen Bucht ist die einsame Doppelbucht und zwar Rücken an Rücken, wie hier, und nicht einfach nebeneinander, was keine Kunst ist. Einsame Buchten, einsame Hütten im Wald, einsame Irgendwas-am-Arsch-der-Welt, wer liebt sowas nicht?
Oder haben Sie schon jemals eine Klage gehört wie „Also der letzte Urlaub war schrecklich, ich war an einer einsamen Bucht“? Nein, ein Kronjuwel der distinktionsorientierten Mitteleuropäerin mit Geschmack und Geld ist die beiläufige Erwähnung, dass die Bucht, in der sie in der Abendsonne immer schwimmen ging, aber sowas von einsam war. Wenn sie einen entsprechenden Hau hat, gerne in Verbindung mit Stanzen wie: „Ich war mir und der Natur so nahe wie selten.“
Einsame Strandbuchten von landläufiger Schönheit können natürlich nur jene sein, die mit dem Auto nicht erreichbar sind, am besten nur durch ganz beschwerliche Auf- und Abstiege zu erreichen. Da fallen Kleinkindfamilien und Senior*innen, also alles, was einem die Laune und den Anblick vermiest, schon mal weg. Herrlich, dachte ich also, als ich kurz nach Tau und Tag in obiger ankam, der Abstieg für mich kein Problem, nicht umsonst nennt man mich den Reinhold Messner der einsamen Buchten.
Aber ich hatte die Rechnung ohne Helios, den Gott der Mobilität, gemacht. Der hat den Menschen das göttliche Geschenk des Motorbootes gemacht und so setzten jene magischen Gefährten des Öttel-Öttel-Stink-Stink alsbald einiges an Völkchen im Doppelbucht-Paradies ab, was noch halbwegs über die Reling an Land fallen konnte.
Es war immer noch übersichtlich und herrlich, mich aber zog es weiter, hinauf auf einen angrenzenden steilen Hügel mit Gipfelkreuz und Kapelle. Nicht dass mich derlei Aberglauben-Gedöns besonders antörnt – auch wenn einem solchen Ensemble durchaus eine Aura der Transzendenz innewohnt – aber es war klar, dass da oben sowohl ein herrlicher Blick als auch kein Schwein vorhanden sein würde. Und so war es dann auch.
Aber ach, auf dem schmalen Pfad dorthin kränzten alsbald weiße, braungesprenkelte Flatterbänder in Form von Toilettenpapier das Unterholz und die eine oder andere Geruchsprise umwölkte meine Nase. Es erinerte mich an mein heimisches Eichsfeld im Frühjahr, woselbst ich als Waldbauernbub noch das Plumpsklo erklomm, und der Heimatdichter folgende unvergesslichen Zeilen zu Papier (sic!) brachte, angesichts der Postwinters auftauenden braunen Massen:
„Wenn es stinkt auf den Aborten,
Wird es Frühling aller Orten“
Die einfallenden Familien blieben offensichtlich den ganzen Tag mit Sack und Pack, Getränken und Verpflegung vor Ort, wo es Definitionsgemäß („Einsame Bucht“) kein Klo gab. Und wenn sie ein menschliches Rühren überfiel, nahmen sie die scheinbar einzig verbliebene Lösung:
Sie schissen den Weg zum Gipfelkreuz gnadenlos zu.
Einsame Buchten? Am Arsch.
Ich weiß es ja seit Jahrhunderten, dass dieses zivilisationsmüde Geschwafel von einsamen Buchten und Hütten im Wald die naive Kitsch-Ausgeburt des vom Leben und der eigenen Existenz überforderten distinktionsorientierten Mitteleuropäers ist. Falle aber trotzdem hin und wieder selber drauf rein.

Es geht nichts über eine funktionierende Infrastruktur mit Tavernen, Sonnenschirmen und Kackbalken.
07.07.2021 – Ohne Worte

Ohne Worte.
Diese oft getroffene Aussage besteht immerhin aus zwei Wörtern. Auch wenn aus diversen Wörtern nicht immer große Worte werden, bestehen große Worte doch immer aus diversen Wörtern. So gab ein Wort das andere und schon war der heutige Blog am Ende. Oder um auch hier wieder den zukünftigen DFB Vorsitzenden Loddar Matthäus zitieren: „Ein Wort gab das andere, wir hatten uns nichts mehr zu sagen.“