Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell

25.12.2021 – Rohe Eiertage


Armut verbieten. Die Partei.
Vor ca. einem Jahr, im Jänner 21, hatte ich in diesem Blog unter anderem gefordert, auch vor dem Hintergrund der damaligen Datenmalaise, die sich heuer wiederholt:
Flächendeckende FFP 2 Pflicht, drakonische Strafen bei Verstößen gegen Versammlungsverbot und gegen Hygiene Maßnahmen, Homeoffice Pflicht, Total Lockdown für drei Wochen, Impfpflicht für alle. Das ist meine private Meinung, im Prinzip seit Beginn der Seuche. Die ich zu Weihnachten auch in meinem Job für die Landesarmutskonferenz öffentlich vertreten habe, was unter anderem in der Weihnachtsausgabe der Tageszeitung „junge welt“ abgedruckt wurde: Ich halte die Ansicht, auch und gerade im Interesse von Armen und Ausgegrenzten sofort eine Impfpflicht für alle einzuführen, für logisch begründet und ethisch nicht nur vertretbar, sondern zwingend. Mir geht es dabei auch um den abstrakten Freiheitsbegriff der Impfpflichtgegner, völlig abgehoben von der Realität, und daher pure, lebensgefährliche Ideologie.
Eine Sicht, die nicht nur nicht von allen geteilt, sondern teils geradezu gehasst wird. Für Impfnazis und Vakzin-Verweigernde ist man mit dieser Forderung eine Art Gottseibeiuns. Was sich aufs Schönste bestätigte in Form einer Mail an mich von einem gewissen Otmar Waalkes, eher nicht verwandt mit dem Possenreißer Waalkes, die ich dem geneigten Publikum nicht vorenthalten möchte:
„Die Landesarmutskonferenz Niedersachsen fordert die Impfpflicht: mit einem Impfstoff, der nur bedingt(!!!!) zugelassen und nicht, wie notwendig, erforscht ist. Wie wäre es, sich mal um die Basisaufgaben Ihres Vereins zu kümmern und nicht populistisch mitzupöbeln. Wer durch Sie vertreten ist, hat schon verloren. Kann man nur kotzen. Lassen Sie sich doch alle zwei Monate boostern. Vielleicht gibt’s dabei ja auch so eine Art Überdosis. Ich wünsche Ihnen alles Gute, vor allem geistige Gesundheit (da hapert es augenscheinlich.)“
Natürlich musste ich lachen, erschrecken tut mich sowas nicht, ich bin Scheißesturmgehärtet.
Interessant fand ich an der Mail, dass sie von jemandem stammt, der offensichtlich Bildung und Intelligenz besitzt, logisch aufgebaut, formal überaus korrekt, und mit zwei Ansätzen, die falsch, aber diskussionswürdig sind: bedingt zugelassen und nicht erforscht.
Aber trotz der formalen und inhaltlichen Contenance, die O. Waalkes bis zum Schluss durchhält, bricht letztlich die Wut in ihm im Prozess des Schreibens ungezügelt durch, droht er doch vom körperlichen Affekt des Kotzens übermannt zu werden und wünscht mir final eine Überdosis an den Hals resp. in den Arm.
Mein erster Impuls war, wie folgt zu antworten: „Sehr geehrter Herr Waalkes, mein Rat an Sie: Mails zum Thema Impfen nur nach vorheriger medikamentöser Einstellung durch Ihren Arzt.“
Hab ich natürlich nicht gemacht. Was soll’s, nützt ja doch nichts. Tröstlich ist: Die Partei hat immer recht. Zitate aus diesem Lied als Weihnachtsgeschenk für Sie, liebe Leserinnen, und falls Sie grübeln, woher Ihnen dieser Duktus bekannt vorkommt: Liedgut der katholischen Kirche. Ersetzen Sie Partei durch Gott, dann passt’s:
Sie hat uns alles gegeben.
Sonne und Wind und sie geizte nie.
Wo sie war, war das Leben.
Was wir sind, sind wir durch sie.
Sie hat uns niemals verlassen.
Fror auch die Welt, uns war warm.
Uns schützt die Mutter der Massen.
Uns trägt ihr mächtiger Arm.
Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!

21.12.2021 – Die totale Versohlung


Das ist kein Insidertipp für Anhänger*innen der etwas härteren Gangart, worauf ja auch der Schuh-Kick und das Leder hinweisen könnte, sondern ein Schuster. Kam mir unlängst bei einem abendlichen Kiezwalk vor die Linse. Dass man auf dem Bild gut was erkennen kann, ist meinem relativ neuen Smartphone geschuldet. Ich bin kein Smartphone-Fetischist, der hechelnd auf die neueste Generation wartet, 90 Prozent der Funktionen dieses Digitalschnullers sind mir wumpe, aber über die Qualität der Kamera freue ich mich schon.

Lindwurm. Kiezkneipe. Mit dem alten Smartphone hätte ich gar nicht erst versucht, was zu knipsen. Lindwurm, also Drachen, fiel mir deshalb ins Auge, weil ich kurz vorher am Kiez-Kulturzentrum Faust vorbeigekommen war.
Nichts los, alles dunkel, drei, vier Gestalten hockten in der Kälte vor der dazugehörigen Kneipe. Die Faust-Gebäude lagen ermattet in der Dunkelheit, erinnerten mich ein bisschen an Drachen aus diesen Fantasyfilmen, die zum Schluss ermattet, der Agonie nahe, am Boden liegen. Ihre Zeit geht zu Ende, eine neue Epoche bricht an. Nein, ich hatte nichts geraucht, es war nur meine Phantasie, die mir das Hirn in kalten Zeiten wärmte.
Es weiß ja schon kein Mensch, was die nahende Omikron-Zukunft an Restriktionen und Lockdowns bringt. Wer wollte da eine Prognose wagen über eine mittelfristige Zukunft von unserem gesellschaftlichen Treiben, inklusive Kultur, Produktion, Reisen, Öffentlichkeit, wenn noch infektiösere Sigma oder Tau Varianten die Oberhand gewinnen, gar völlig neue Seuchen nahtlos anschließen.
Was würde aus dem bunten Treiben, um bei dem Beispiel zu bleiben, in den alternativen Kulturzentren? Das ich, obwohl kein Alternativer, immer geschätzt habe. Tolle Konzerte, Lesungen oder auch eigene Projekte, wie jahrelang eine monatliche Satiresendung, gemeinsam mit anderen, beim extrem alternativen Radio Flora. Oder die Premiere eines Flüchtlingstheaterstücks. Dessen Produzent ich war und den angesichts der Getränkerechnung bei der Premierenfeier beinahe der Schlag traf. Immerhin handelte es sich um öffentliche Fördermittel und da gibt es ein Credo: Alkohol ist nicht abrechnungsfähig.
Tatsächlich hängen also an dem Drachen in Agonie, an Faust, viele durchaus zauberhafte Erinnerungen. Leben eben.
Was wird, wenn Seuchen zum gesellschaftlichen Dauerzustand werden? Wenn wir also, um den Laden, die Produktion am Laufen zu halten, eine definierte permanente Seuchenwirtschaftsordnung brauchen, der Ausnahmezustand also die Regel wird? Um Ihre Phantasie für eine Gesellschaft nach der 10. Welle in Schwung zu bringen, liebe Leserinnen, empfehle ich als Einstieg den Wiki-Artikel über Kriegswirtschaft. Ersetzen Sie einfach „Krieg“ durch „Pandemie“, dann haben Sie die Richtung.
So schlimm wird es schon nicht kommen. Und wenn ich jetzt jemanden zwischenrufen höre, die Soldaten im Ersten Weltkrieg dachten im September 1914 auch, sie wäre zu Weihnachten wieder siegreich Zuhause, dem drohe ich die Versohlung an, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir sie uns heute überhaupt noch vorstellen können…

20.12.2021 – Die Situation ist sowohl ernst als auch hoffnungslos


Die katastrophale Wohnungssituation in Ballungsräumen verschwindet aktuell hinter der Seuche. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann in den nächsten Tagen angesichts von Minustemperaturen die ersten Obdachlosen erfrieren. Thema Nr. 1 aber bleibt Omikron und je dramatischer die Modellierungen ausfallen, desto mehr Impfnazis und Impfverweigernde gehen auf die Straße. Deren Parolen changieren irgendwo zwischen dumm und frech, was entsprechende Emotionen evoziert. Manchmal hilft es, wenn man kurz innehält, den Kopf ausschaltet (nicht zu lange! Die Nebenwirkungen sind dann beträchtlich) und in sich hineinhorcht, was für Emotionen es genau sind, die einen angesichts von soviel Dämlichkeit, Irrationalität und Niedertracht bewegen: Zorn, der untrennbar mit dem Urgefühl Aggression verbunden ist, aber auch sowas wie Verachtung, die immer „irgendwie“ (hilflose Vokabel) mit Fassungslosigkeit verknüpft ist.
Sie, liebe Leserinnen, kennen das vielleicht, wenn Verachtung in Ihnen aufquillt, ist der Ausruf „Das ist doch nicht zu fassen, das glaube ich nicht, das kann nicht wahr sein!“ nicht weit. Egal ob Sie privat von jemandem auf das Schäbigste hintergangen wurden oder die Politik mal wieder in Trumpsche Kategorien entartete. Zorn und Verachtung, genau der richtige Cocktail, um in Weihnachtsstimmung zu kommen.
Um das Maß vollzumachen, spürte ich beim Nachgehen meiner Emotionen noch sowas wie Mitleid. Der Impfnazi mit seiner kleinen Schwester, der Impfverweigerin, ist ja in seiner Gefährlichkeit und Erbärmlichkeit durchaus auch eine lächerliche, groteske und arme Wurst. Eine feine Visualisierung der Ambivalenz von Gefährlichkeit und Groteske ist Charlie Chaplins „Der Große Diktator“. Den Impfnazi treibt ja nicht nur Langweile auf die Straße, weil er keine Arbeit hat oder kein Hobby, es ist auch nicht nur die Angst vor der Spritze, vor dem vermeintlichen Freiheitsverlust durch das Scholzsche Impfregime, es ist eine tiefersitzende: Es ist die grundsätzliche Angst im Kapitalismus. Die sich immer wieder und immer häufiger an konkreten Zuständen, wie einer Seuche, Bahn bricht. Kapitalismus produziert Angst und profitiert von ihr, durch den ständigen Existenzkampf, dem die Individuen ausgesetzt sind, durch den Kampf aller gegen jeden, durch kafkaeske Gesetzmäßigkeiten, denen alle scheinbar ohnmächtig ausgesetzt sind. Kein Kapitalismus ohne Angst, zu den Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Psychiater.
„Angst im Kapitalismus“ von Dieter Duhm war ein zentrales Buch in der undogmatischen Linken der 70er, das den Versuch unternahm, den ökonomistischen Ansatz der marxistischen Orthodoxie mit individualpsychologischen Erkenntnissen zu vereinen. Der Ansatz stand in der Tradition von Wilhelm Reich, dessen „Massenpsychologie des Faschismus“ heute noch mein immer spärlicher werdendes Bücherregal ziert. Es erschien 1933 und führte prompt zum Rausschmiss von Reich aus der KPD.
Wer bei den heutigen Krisen nicht immer den Kapitalismus und dessen Nachtmahr, die Angst, mitdenkt, wird nie die Instrumente zu ihrer Überwindung auch nur definieren können. Es bleibt alles Stückwerk. Ansätze liefern immer noch undogmatische linke Klassiker wie Duhm, Reich, Walter Benjamin und Klaus Theweleit. Wobei die Geschichte da nicht immer gut ausging. Reich und Duhm drehten beide ziemlich in esoterische Gefilde ab, Reich mit seiner Orgonomie und Duhm endete in einer Grusel-Sekte vom Kaliber Otto Mühl. Ein bisschen mehr marxistische Orthodoxie hätte den Beiden gutgetan. Zuviel Püschologie is auch Kacke.
Fazit: Die Situation ist sowohl ernst als auch hoffnungslos und der Humor fängt da an, wo der Spaß aufhört.

18.12.2021 – Über das Phänomen der anschwellenden Dilemmata.


Ich lasse mir den Mund nicht verbieten? Meine Lieblingsmaske. Kein FFP 2, daher seit Monaten unbenutzt in einer Ecke. Mir fiel beim Anblick eines der Motto (was ist der Plural von Motto? Motti? Motten?) der Impfnazis ein, die auch an diesem Wochenende wieder zu Tausenden die Öffentlichkeit verpesten. Verpesten, selten passte ein metaphorischer Ausdruck so fein wie dieser.
„Ich lasse mir den Mund nicht verbieten“, so ein Motto der sich selbst als Seuchenrebell, als Pidder Lüng der Pandemie, gerierenden tausenden von impfverweigernden Hobbyvirolog*innen auf den Straßen der Republik. Wie schnell die nicht nur die mühseligen Ebenen der Epidemiologie und Mikrobiologie durchmessen haben, für die andere jahrelanges intensives Studium brauchten, sondern sogar schlauer geworden sind als 99,9 Prozent aller nicht selten promovierten oder habilitierten Fachleute, das versetzt mich in ehrfürchtiges Erstaunen. Welch bisher unbemerktes Potential an Geistestitanen wir dort haben.
0,1 Prozent, die an 100 fehlen, meint jene Fachleute wie den Mikrobiologen und antisemitischen Hetzer Sucharit Bhakdi, der auch als Bundestagskandidat der Impfnazi Partei „Die Basis“ fungierte.
Was treibt solche Menschen an, was ist die Ursache für ihr Handeln? Was persönlich in deren Hohlköpfen brummt, ist mir Wurst. Mir geht es um das offensichtlich flächendeckend vorhandene, strukturell Verbindende. Der individuell-pathologische Ausdruck ihrer Verwirrtheit ist ja ein Phänomen, das gesellschaftliches Handeln prägt, Gesellschaft bedroht und kollektives, aufgeklärtes Konter-Verhalten notwendig macht.
Nicht erst seit dem Aufkommen der sozialen Medien gilt die Erkenntnis: Zwei Währungen prägen die postmoderne Gesellschaft – Geld und Aufmerksamkeit. Mit ersterer lässt sich letztere kaufen, umgekehrt mit jener diese generieren, siehe z. B. Influencerinnen. Im Streben nach Aufmerksamkeit, Anerkennung, Aufgehen in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter liegt sicher ein Motiv der Andersbegabten. Endlich bin ich arme Wurst auch mal Hero just für one day. Das Dilemma liegt im gesellschaftlichen Umgang damit: Sollen „wir“, wie auch immer ein derartig konstruiertes Kollektiv der Aufgeklärten aussehen möge, „die“ nicht beachten? Nicht mit ihren Positionen auseinandersetzen? Sollen die Medien nicht darüber berichten, um „die“ vom nährenden Fluss der Aufmerksamkeit abzuschneiden?
Ich verbreite mich auch deshalb hier über das Phänomen „Dilemma“, weil Dilemmata immer mehr zum Problem werden. Wie gehen wir zum Beispiel mit dem Dilemma um, dass mit dem Mittel der Demokratie die Klimakatastrophe offensichtlich nicht verhindert werden kann? Wie mit dem Dilemma, dass der ständig anschwellende Reichtum der Wenigen immer mehr Arme produziert?
Zu weit will ich mit der Motivsuche bei unseren Hobbyvirolog*innen aber nicht gehen. Die Frage, ob die Bekloppten dieses Wochenendes als Kinder nicht lange genug gestillt wurden, beim Fußball in der Volksschule immer als Letzte in die Mannschaft gewählt wurden oder in der Tanzschule als Mauerblümchen sitzen blieben, ist mir dann doch Wurst.

16.12.2021 – Mexikanisches Corona-Bier zu polnischer Bergmanns-Polka und karibischen Aus-Rasta-Klängen


Karneval der Kulturen Kreuzberg 2018.
Der Karneval der Kulturen in Kreuzberg ist für 2022 wieder geplant, wie üblich 4 Tage über Pfingsten. Ich bin skeptisch. Ob der stattfindet? Manchmal denke ich, dass wir in einer Zeitenwende leben und permanent, apokalyptischen Reitern gleich, Seuchen uns heimsuchen werden. Irgendwann gibt es immer die Quittung für Hemmungslosigkeit. Wer hemmungslos säuft, kriegt es an der Leber, und wer hemmungslos kapitalistisch wirtschaftet, kriegt es am Leben. Lockdown bis zum bitteren Ende, auf allen Kanälen. Die charismatische Tex-Mex-Tanzcombo Los Lobos nochmal in einer zärtlich-lauwarmen Sommernacht in der Spandauer Zitadelle? Never ever again. Auf den Straßen Kreuzbergs beim Straßen-Karneval mit mexikanischem Corona-Bier zu polnischer Bergmanns-Polka und karibischen Aus-Rasta-Klängen tanzen? Das wird dann früher gewesen sein.
Für das anbrechende Post-Anthropozän, also das Zeitalter, in dem sich der Mensch vom Globus verabschiedet, gilt: Keine Öffentlichkeit. Für Niemanden. Der Begriff Public Enemy kriegt eine neue Bedeutung: Public is the Enemy. Neue Tabu-Begriffe entstehen. So wie früher Krebs, Aids, Tod lauten sie im Post-Anthropozän Karneval, Konzert, Öffentlichkeit.
Vor dem Hintergrund derartiger Dystopien strahlen die Erinnerungen umso heller und werden innerhalb kurzer Zeit mit einer mythischen Gloriole versehen. Das „Weißt du noch, damals … ?“ kann zu einem wehmütigen Schwanengesang nicht nur für einen individuellen Lebensabschnitt werden.

2018 startete, siehe oben, der Karneval direkt vor meiner damaligen Homebase in Kreuzberg. Im Haus befand sich ein Imbiss, in Fachkreisen auch Hades genannt, Treffpunkt von Menschen, die nicht alle permanent auf der Sonnenseite des Lebens wandelten. Der Wirt, ein polyglotter Türke, Fußballtrainer und Philosoph, hatte Salate und Häppchen gemacht. Wir saßen draußen, alle waren fröhlich, in Ausnahmelaune, das Leben flutete nicht an uns vorbei, sondern mitten durch uns hindurch, der Karneval rief, lockte…

Ich saß da und prostete der Welt zu. Alles würde gut werden.
Ich kann nicht sagen, was ich dafür geben würde, wenn der Karneval 2022 stattfinden würde, aber ich glaube, es wäre eine Menge. Und vielleicht wird jetzt mein Zorn auf Impfnazis verständlicher, die dafür verantwortlich sind, dass wir schon die aktuelle Seuche nicht in den Griff kriegen.

15.12.2021 – I have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat


Alles Ansichtssache?
Mit Impfnazis ist keine Verständigung möglich, was aber natürlich nicht heißt, dass in der Nicht-Verständigung keine Kommunikation stattfindet, gemäß den 5 Axiomen von Paule Watzlawick ist es ja nicht möglich, nicht zu kommunizieren.
Wenn ich mich also in plötzlicher Wutaufwallung angesichts der aktuellen Impfnazi-Demos in der Ostzone (aber nicht nur da) frage, wofür der Repressionsapparat eigentlich Schusswaffen besitzt, ist das auch eine Art der Kommunikation. Kugeln ersetzen nicht unbedingt Argumente, sind aber eine Form der Kommunikation. Zugegeben, es gibt zärtlichere Formen und derlei Wutaufwallungen mögen verständlich sein, sind aber ein antizivilisatorischer Reflex, und, schlimmer noch, stellen die so Empfindenden ethisch auf eine Stufe mit den Impfnazis. Und bei aller gebotenen Bescheidenheit (Floskelalarm!), mit Impfverweiger*innen stehe ich nicht ethisch auf einer Stufe.
Zu den Fakten: Die Sterbefallzahlen im November 2021 liegen 20 % über dem mittleren Wert der Vorjahre Für Statistikfans: Das Statistische Bundesamt hat vom arithmetischen Mittel auf den Median umgestellt). Die Einschränkung des Bundesamtes, dass das nur zum Teil an Corona liegt, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Bedenkliche Tendenz: In der 48. Kalenderwoche (vom 29. November bis 5. Dezember) lagen die Zahlen 28 % über dem mittleren Wert der Vorjahre.
Wir haben geschätzt bis zu 10 Millionen Impfverweigernde, unterschiedlicher Härtegrade und Schattierungen, von Ängstlichen bis zu Hardcore-Nazis, weit mehr als alle Gewerkschaften an Mitgliedern haben oder Niedersachsen an Einwohner*innen. Die haben sich in Netzwerken eingerichtet, die sie schützen, in denen sie sich stützen, bis hin zur Gewaltausübung. Es gibt Jobbörsen, in denen durchgeknallte Ärzte Impfnazis Jobs in ihren Praxen anbieten, Dating Portale, Shopping Tipps, Hinweise auf Kneipen, kurz, eine Millionenfache Parallelwelt, in der sich Impfnazis einrichten können, abkoppeln von der Zivilgesellschaft, ein mörderisches Narrativ aufbauen und eine reale Bedrohung darstellen. Das können Staat und Gesellschaft nicht akzeptieren. Die Impfpflicht ist eine conditio sine qua non, wenn es darum geht, diesen Parallelsumpf auszutrocknen. Das ist allerdings eine Aufgabe, die die Gesellschaft Blut, Schweiß und Tränen kosten wird.
Ich hingegen werde mich weiter bemühen, meine mitunter aufwallende archaische Wut gegenüber Impfnazis in zivilisatorischen Zorn zu wandeln. Den alttestamentarischen Zorn des Gerechten. Und wenn Sie, liebe Leserinnen, jetzt sagen, das liest sich hier aber oft eher wie der Zorn des Selbstgerechten: Da ist was dran. Aber habe ich je behauptet, ich wäre Jesus?

11.12.2021 – Überschätzt


Setzt Euch, leistet Widerstand. Was früher, im Mesozoikum, zur Zeit von Gorleben, noch putzig klang, ist heute selbstmörderische Grundierung der Kampagnen von Impfnazis, die sich gerne gerieren als Widerstandskämpfer in der Tradition der Geschwister Scholl gegen die Impfdiktatur des Scholz-Regimes. Die Andersbegabten müssen ja jetzt umdenken, wenn es mit dem Denken schon nicht klappt, von Nazi-Merkel auf Fascho-Scholz.
Ach, hätten wir doch eine Impfdiktatur und würde das mit dem „selbstmörderisch“ konsequent klappen, leider sind die Impfnazis in 90 Prozent der Corona-Todesfälle auch für den Tod der Anderen verantwortlich und tragen gerade in der Jahresendzeit den Tod in ihre Familien. Impfnazis bilden jenen postmodernen Terror, in prä-apokalyptischen Zeiten, der aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Ich freue mich jetzt schon auf die Diskussion unter Strafrechtsexperten, ob für Vereinigungen wie die antisemitische Impfnazi-Partei „Die Basis“ mein Lieblingsparagraf 129a StGB „Bildung terroristischer Vereinigungen“ greift:
„ …. Ebenso wird bestraft, wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind, 1. einem anderen Menschen schwere körperliche oder seelische Schäden, insbesondere der in § 226 bezeichneten Art, zuzufügen,“.
Zu den Fakten: Die Wirkkraft der PK des Statarischen Bundesamtes vom 09.12 habe ich überschätzt. Nüchtern, sachlich, irgendwo hinten in den Nachrichtenteilen vermerkt unter „Corona führt zu Übersterblichkeit“.
Gibt wohl schlimmeres, wichtigeres, und war ja eh allen klar, müssen wir mit leben?
Wer’s vertiefen will:
176.000 Menschen wurden 2020 mit oder wegen Corona im Krankenhaus behandelt. Ein Fünftel (36.900) davon lag auf der Intensivstation. Von denen wiederum mussten über 58 Prozent (21.400) künstlich beatmet werden. Jeder sechste Krankenhaus-Patient überlebte die Krankheit nicht. Den Peak gab es zum Jahreswechsel 2020/21.
Das dürfte sich jetzt wiederholen: Eine deutliche Übersterblichkeit ist aktuell seit Anfang September 2021 zu beobachten. In der zweiten Novemberwoche lagen die Sterbefallzahlen um 17 % oder etwa 3 100 Fälle über dem mittleren Wert der vier Vorjahre mit derzeit stark steigender Tendenz von Woche zu Woche.
Dieser Anstieg lässt sich zwar nur zum Teil mit den beim Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten COVID-19-Todesfällen erklären, dürfte aber auf Grund der Prozesshaftigkeit des pandemischen Geschehens bei den Bestattungsunternehmen für gute Laune sorgen. Ich werde gleich mal checken, ob da welche an der Börse sind. Das wäre ne Goldgrube. Wegen der nächsten Pandemie, so tödlich wie Ebola, so ansteckend wie Masern und so kompliziert zu beimpfen wie HIV.
Was mich wundert an der Seuche: Stationäre Behandlungen wegen psychischer und psychiatrischer Erkrankungen gingen 2020 um 19,6 beziehungsweise 10,2 Prozent zurück. Es gab keinen auffälligen Anstieg der Suizide.
Und das bei so vielen Bekloppten und Bescheuerten.

09.12.2021 – Deutliche Übersterblichkeit durch COVID-19 trotz Hygienemassnahmen und Impfungen


Übersterblichkeit stark ausgeprägt in der Zeit von 03.20 bis 02.21. Quelle Destatis. Übersterblichkeit im November 21 bisher 17 Prozent über dem Schnitt der letzten vier Jahre vor der Pandemie. Die Kurven sprechen für sich und lassen sich mit Einschränkungen und Vorbehalten auch auf die 5. Welle extrapolieren. Im Hintergrund rauscht gerade die PK, im Destatis-Link im letzten Beitrag können Sie sich Details angucken. Die Überschriften der Medien heute und Morgen zur Übersterblichkeit dürften drastisch bis alarmistisch ausfallen. Interessanter Aspekt eben gerade: Keine erhöhten Suizidzahlen in 2020. Überrascht mich.
Aber all die wissenschaftlichen Erkennntnisse, die gerade präsentiert werden und ab jetzt ausführlich überall kommentiert, werden die verrückte Wahnwelt der Impfnazis um keinen Jota verrücken. Da erreicht nichts deren Gedankenwelt. Ich las heute irgendwo das Statement eines ostzonalen Impfnazis: „Lieber lass ich mich erschiessen als impfen.“ Ich bin ja strikt gegen eine Kooperation mit solchen Leuten, aber in dem Fall kann man doch mal Entgegenkommen zeigen. Wo ist die GSG 9, wenn man sie mal braucht? Ich klink mich jetzt wieder in die PK ein, bin auf die Fragen gespannt.

07.12.2021 – COVID-19: Sterbefälle, Todesursachen und Krankenhausbehandlungen in Zeiten der Pandemie


Lichtblicke in dunklen Zeiten: Veranda im Spätherbst.
Impfungen retten Leben: Die Impfungen gegen COVID-19 haben in den letzten 12 Monaten in der WHO-Region Europa, zu der auch Israel gezählt wird, in der Altersgruppe der über 60-Jährigen die Hälfe aller Todesfälle an COVID-19 verhindert.
Masken retten Leben: Die durchschnittliche Sars-CoV-2-Sterblichkeit betrug am 9. August 2020 4,7 pro eine Millionen Einwohner, in den 24 Ländern, die innerhalb der ersten 20 Tage nach Ausbruch des Coronavirus das Maskentragen eingeführt haben. In den 17 Ländern, die innerhalb von 30 Tagen nach dem Coronaausbruch im Land, auf Mund-Nasen-Bedeckungen setzten, lag die durchschnittliche Sterblichkeit bei 26,6 pro eine Millionen Menschen. Dazu zählten beispielsweise der Sudan, Sambia, Tschechien und Bangladesch. Zum Kontrast: Die Corona-Pro-Kopf-Sterblichkeit lag in den USA, wo Maskentragen zu einem Kulturkampf ausartete, am 9. August bei 502 Coronatoten pro eine Millionen Einwohner.
Daraus nun eine direkte Aussage zur Übersterblichkeit auf Grund von Corona abzuleiten, überfordert mich natürlich, weil so viele Parameter hinzukommen, die ich nicht überblicke: Welchen Effekt hatten Grippewellen, die wegen Maskentragen ausgefallen sind? Auf der anderen Seite haben viele Kranke w. Ansteckungsgefahr Arztbesuche gescheut und deshalb den Löffel weggelegt. Was ist mit Sekundäreffekten wie Erhöhung der Mortalität durch Job- und Einkommensverlust oder verstärkt auftretende psychische Erkrankungen? Usw. usf.
Die Sterblichkeit durch Corona ist aber eine zentrale Größe in der Diskussion, zumindest dort, wo die noch möglich ist. Die Millionen Andersbegabten, die hier Dauerthema sind, lassen wir mal außen vor, da ist eine Evidenzorientierte, Faktenbasierte Diskussion nicht möglich und auch kontraproduktiv, wegen Ressourcenvergeudung. Da hilft nur maximale Repression.
Aber es gibt ganz viele Menschen, die erreichbar, aber verunsichert sind. Was sind Fakten, was Vermutungen, was fakes, wo muss ich persönliche Disposition mit gesellschaftlicher Verantwortung übereinbringen, da gibt es jenseits von Schwarzweiß viele Schattierungen. In dieser Diskussion spielt der Tod sicher eine gewichtige Rolle, also die Frage:
Wie hat sich die Sterblichkeit in Deutschland durch die Corona-Pandemie verändert? Insofern ist eine der für mich spannendsten PKs der letzten Zeit die des Statistischen Bundesamtes am 09.12, ab 11 Uhr, unter der Überschrift: „COVID-19: Sterbefälle, Todesursachen und Krankenhausbehandlungen in Zeiten der Pandemie“. Wer Interesse hat, kann sich ohne Anmeldung in den Livestream einschalten.
Auf die Medienüberschriften danach bin ich gespannt.

06.12.2021 – Die Aktion ging friedlich zu Ende. Auf beiden Seiten kam es zu Verletzungen


Journalismus, wie er im Buche steht. Kochbuch oder Telefonbuch, das ist noch nicht raus, ist aber auch egal. Mich interessiert daran nur, was hat im Innern des Autors gearbeitet, rumort, gewütet, damit so eine Fehleistung rauskommt. Alles, was wir sagen, denken, schreiben, ohne jede Ausnahme, jedes Wort, jede Silbe, ja jedes Schweigen zu etwas, jede Fehläußerung hat nicht nur einen Anlass, sondern eine tiefe Ursache, deren wir uns vollumfänglich in den wenigsten Fällen bewusst sind. Dem Kundigen bietet ein Text, ein Statement mitunter mehr Einblick in die Seele des Gegenübers als langwierige Therapiesitzungen, es muss halt nur richtig gelesen werden.
Natürlich hat obiger Fehler mit der üblichen Schluderei im Journalismus zu tun, aber selbst da werden beim eigenen Korrekturlesen noch viele grobe Böcke eliminiert. Warum ausgerechnet dieser nicht, der dem Autor also plausibel erschienen sein muss beim Drüberlesen.
War es die Ambivalenz zwischen Sympathie mit der Aktion, für die es besser gewesen wäre, sie wäre unblutig verlaufen und also wäre es besser, sie als solche zu verkaufen, und zwischen Chronistenpflicht (es gab Verletzte, mehrere) und Wut der Bürgerpresse auf „Chaoten“, die sich nicht an die eherne Regel des Kapitalismus halten, das Privateigentum sei zu lieben und zu ehren, mehr noch als Mutter und Vater? Schlummern nicht in unser aller Brust zwei, drei, viele Seelen? Und leider, oder Göttinseidank, treten sie in Form unserer Texte, Äußerungen dauernd nackt und unverhüllt in das Licht des Erkennens.
Fakt ist, dass diese Besetzung die notwendige Praxis zur Theorie des Blogs vom 02.12.212 bildet . Ohne Praxis ist alle Erkenntnis nur Schall und Rauch.
Fakt ist auch, dass diese Aktion mit Verletzten aufs Schönste die hohle Phrase von FDP, Filosofen und anderen decouvriert, nach der eine Impfpflicht unter allen Umständen ethisch verwerflich sei, weil sie in die körperliche Unversehrtheit eingreife. Bürgerliche Freiheit, sie lebe hoch!
Wo bitteschön, ist deren Rede von körperlicher Unversehrtheit von Obdachlosen, deren einzige bürgerliche Freiheit nach einer Zwangsräumung durch börsennotierte Deutsche Wohnen und Vonovia darin besteht, auf der nächsten Parkbank zu erfrieren?
Alles Lüge, wohin wir schauen.
Meine schönste Fehlleistung, zu der es keines tiefen Blicks in meine Seele bedurfte, ist schon viele, sehr viele Jahre her und geschah in einem Gespräch mit zwei Feministinnen auf einem Campingplatz an der Algarve, als sie noch putzig und unverbaut war. In dem eifrigen, fast zwanghaften Bemühen der gutwilligen Männer im Kampf der Geschlechter, damals, in den glorreichen Hochzeiten der Emanzipation, bloß nix falsch zu machen oder zu sagen, rutschte mir bei der Formulierung des Begriffs „Toleranzgrenze“ folgende bezaubernde und unvergessliche Fehlformulierung über meine Lippen:
„Toleranzschwänze“.